Der achtjährige Jakob lebt allein mit seiner Mutter im Haus im goldenen Weizenfeld. Eines Morgens ist sie spurlos verschwunden. „Sie ist von uns gegangen“, erklärt ihm der Pfarrer, ohne zu wissen, dass er den Jungen damit auf eine lebenslange Suche schickt. Jakob, der alles wörtlich nimmt, hofft, dass er seine Mutter auf ihrer „weiten Reise“ noch einholen kann. Unterwegs trifft er auf einen Fremden, der „Nur die Raben kennen den Weg, nur die Raben“ singt – Jakob setzt daraufhin alle Hoffnungen auf die Raben. Die aber interessieren sich nicht für den kleinen Jungen oder rauben ihm mit sinnlosen Versprechungen sogar noch kostbare Lebenszeit. Nachdem Jakob so bereits ein Jahr seiner Kindheit verloren hat, trifft er vor seinem inzwischen verfallenen Elternhauses den altersschwachen Fuchs. Der will Jakob davon überzeugen, dass er die Suche nach seiner toten Mutter aufgeben und sich endlich um das Leben kümmern muss, das noch vor ihm liegt – doch Jakob, der die Begriffe „Leben“ und „Tod“ nicht versteht, interessiert sich nur dafür, seine Mutter endlich wiederzusehen. Der Fuchs resigniert und erfüllt Jakob seinen Herzenswunsch, indem er ihm seine Jugend abnimmt. Er gibt Jakob noch einen bunten (Gift-)Trank mit auf den Weg, für den Fall, dass ihm das Warten auf seine Mutter zu lange dauert. Nach dem Handel zeigt Jakob bald erste Alterserscheinungen und jeder Schritt auf seiner weiteren Odyssee wird zur Qual. In den letzten Stunden seines Lebens findet er dann doch noch ein wenig Glück. Er setzt sich, bereit „das bunte Wasser“ zu sich zu nehmen, auf einen Wäschekorb, der mitten auf einer Wiese steht. Unter dem Korb liegt ein Junge, der forsch behauptet: „Ich bin eine Schildkröte, und komme vom Meer“. Trotz seines eigenwilligen Panzers ist der Junge nichts anderes als ein Waisenkind wie Jakob. In dem Schildkrötenjungen findet dieser dann auch erstmals und letztmals einen Freund. Schon am nächsten Tag will der Junge zum Meer aufbrechen. Jakob will ihn begleiten, doch seine Kräfte reichen nicht aus. Er verspricht dem Schildkrötenjungen, im nächsten Jahr mit seiner Mutter nachzukommen. Glücklich, und ohne die Tragik seiner Suche verstanden zu haben, trinkt Jakob schließlich den Trank. Während er in einen immer tiefer werdenden Schlaf sinkt, nimmt ihn der weiße Rabe auf seinen Rücken und fliegt mit ihm in den Wald, bis Zeit und Raum sich in völliger Dunkelheit auflösen.

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